Texts
Der Boden ist die Form ist der Boden

Written by Eduardo Vivanco, 2012

Diese großformatigen Bilder, ein Teil der zwei Serien Ringe und Loopings sind Reflektionen im doppelten Sinne, geistig und optisch oder physisch. Adrian Navarro stellt uns vor eine klare Mehrdeutigkeit. Die klassische Geometrie von Kreis und Spirale sind wie Reliefs mit genauer Ambivalenz geschnitten, manchmal sind die runden Löcher lichtundurchlässig, manchmal sind sie durchsichtig und lassen die bemalte Materie erkennen. Diese Räume verändern mit Unterbrechungen ihre eigene sichtbare Form – Boden –Technik: sie definieren sich wiederum auf einem von formloser Farbe bedeckten Boden. Der Ring ist in sich geschlossen, das Looping ist jedoch eine offene Figur, beschnitten vom Rahmen der Leinwand. Beide enthalten Figuren und sind gleichzeitig ihr eigener Boden. Ja es ist kompliziert.

Was Navarro hier zeigt, ist die Schlacht der Bilder, die im letzten halben Jahrzehnt in seinem Atelier stattgefunden hat, drei Jahrzehnte nach der Schlacht der Bücher in der King´s Library – beide in London. Was Jonathan Swift 1704 persiflierte ist der Streit der Alten mit den Modernen. Der Bienenkorb und das Spinnennetz waren damals die Metaphern. Heute ist es die Schlacht zwischen Abstraktion und Figürlichkeit, Handwerk und Design, zwischen Auge und Hand, Bewegung und Beschränkung und schließlich zwischen Gesamtheit und Unendlichkeit. Das Werk von Emmanuel Levinas von 1969 (Totalität und Unendlichkeit: Ein Essay über Äußerlichkeiten) findet in diesen Serien, und in der Galerie als Schlachtfeld, seine beste bildliche Entsprechung.

Das ist also der Ort epischer, heroischer Konfrontation, aber es ist kein Erzählraum. Die Variationen in den Serien beschreiben in sich selbst vertiefte Bewegung, indem sie die Sprache dessen verwenden, dem vorgeworfen wurde, die Malerei zu töten, der Fotografie. Navarro verbindet die Werke Muybridges und Mareys in den Serien. Sie stellen die endlose Rotation des Kampfes der Gegensätze dar, eine bevorstehende messianische Synthese, ernüchternde epische Malerei.

Adrián Navarro: Reflections. Maerz Contemporary. Berlin, 2012